Eidg. Jodlerfest 2008 der Superlative
Von Martin Sebastian, Redaktor blog-volkskultur.ch
Vom 26. bis 29. Juni 2008 findet in Luzern das 27. Eidgenössische Jodlerfest statt. Erwartet werden über 11 000 aktive Jodlerinnen und Jodler, Alphornbläserinnen und Alphornbläser sowie Fahnenschwinger. Dazu werden rund 200 000 Festbesuchende nach Luzern pilgern. Das sind Zahlen von denen vor Jahren nur geträumt werden konnte. Die Stadt Luzern hat zusammen mit dem Organisationskomitee ein Fest der Superlative mit u. a. einer spektakulären, einzigartigen Musik-, Licht-, Feuer- und Sternenshow rund um das Seebecken vorbereitet.
Detaillierte Informationen zum gesamten Festprogramm: www.jodlerfestluzern.ch
Warum wurden die Jodlerfest so populär, nicht nur für die Aktiven, sondern inbesondere auch für die Besucherinnen und Besucher? Wie sollen zukünftig die Jodlerfeste gestaltet werden? Geht das Jodeln, Alphornblasen und Fahnenschwingen im Festrummel unter? Oder …?
11 Juni 2008, 18:25
Lieber Martin Sebastian
Für das OK Luzern steht fest: Die AKTIVEN stehen im Mittelpunkt des EJF. Für SIE haben wir sehr gute Vortragslokale und -plätze bestimmt, für SIE bauen wir momentan ein Jodlerstädtli rund ums Seebecken, für SIE haben wir einen Kompositionswettberweb plus lanciert. Das Spektakel nachts um 22.30 Uhr wird nicht einfach ein Feuerwerk auf dem See sein, sondern ein Licht- Feuer- und Sternenzauber mit Jodel umrahmt. Zum Schluss singen alle zusammen den Beichlejutz. Wir freuen uns aber auch auf Tausende Zuschauerinnen und Zuschauer, auf solche, die schon immer an die Jodlerfeste gingen und auch auf solche, die neugierig sind und ein Auge und Ohr voll nehmen wollen. Ich bin überzeugt, dass es dem Jodelgesang, dem Alphormblasen und dem Fahnenschwingen nützt, wenn auch “Laien” wie ich sehen, was da geleistet wird.
Viel Vergnügen!
Ursula Stämmer-Horst OK Präsidentin EJF 2008 Luzern
12 Juni 2008, 20:17
Es ist ausser Zweifel, dass das OK in Luzern ein Super-Jodlerfest für die Aktiven wie auch die Passiven, sprich die zahlreichen Besucherinnen und Besucher, vorbereitet hat. Wir alle freuen uns sehr.
Die Frage war eine grundsätzliche: Warum wurden die Jodlerfeste in den letzten Jahren immer populärer? Und wo wird das hinführen?
18 Juni 2008, 10:15
Meines Erachtens müssen wir hier differenzieren zwischen Eidgenössischen Festen und solchen auf Stufe Unterverband. Letztere sind klar in der Überzahl, manchmal auch aus kommerzieller Sicht erfolgreich, manchmal weniger! Eidgenössische Feste stehen heute im Fokus der Medien, das ist schlechthin der TOP-Anlass der Jodlerszene. Das ist gut so und wird uns in unseren Grundanliegen unterstützen. Die Luzerner Organisatoren haben - durch meine Brille betrachtet - ein Optimum angestrebt bezüglich Einbindung der Medien, Mobilisierung in der Jodlerszene und Miteinbezug der örtlichen Gegebenheiten (Seebecken etc.) sowie der Bevölkerung. Ich wünsche den Verantwortlichen, dass die Ziele - hoffentlich auch bedingt durch gutes Wetter - erreicht werden.
Bei den Unterverbandsfesten sieht es etwas anders aus: Da gab es sehr gut besuchte Anlässe und solche, deren Besucherzahlen bei aktiven und passiven JodlerInnen bzw. -fans deutlich unter den Erwartungen lagen. Dies zeigt sich auch dadurch, dass in den letzten Jahren hin und wieder Anmeldefristen verlängert wurden oder sich teilweise gar keine Interessenten mehr fanden liessen, die von sich aus ein Fest organisieren wollten.
Wo wird das hinführen: Ich wage eine Prognose: Grössere Gemeinden bzw. deren Vereine, die über die nötige Infrastruktur verfügen, werden sich vermehrt (nur) für Eidgenössische Feste interessieren. Die “kleineren” Unterverbandsfeste bleiben dann für die Randregionen übrig. Bedingt durch Infrastruktur und Verkehrsanbindung ist dies logisch - kann aber etwas Zündstoff in sich bergen: Fördern wir Jodlerinnen und Jodler so (unbewusst) den Stadt-Land-Graben?
24 Juni 2008, 13:49
Es ist durch den voranstehenden Beitrag noch ein ganz neues Thema in diese Diskussion gebracht worden. Es geht hier nicht nur noch um die Pflege der Schweizer Folklore, sondern wer und wie können grosse Feste überhaupt organisiert werden.
Es könnte durchaus dahin gehen, dass es grosse eidgenössische Veranstaltungen gibt und kleinere regionale Treffen. Ich denke, beides sollte Platz haben. Man darf nur nie das eine mit dem anderen vergleichen. D. h., die Ziele, die Voraussetzungen und die Erwartungen müssen sich unterscheiden. Darum wäre es gut, man würde gleich von Beginn weg die Form des Festes klar abgrenzen.
Eines ist klar, grosse wie kleine Feste haben ihre Vor- und Nachteile und ihr eigenes Ambiente. Beides – gross und klein – kann wunderschön sein.
30 Juni 2008, 19:28
Es ist eigentlich verwunderlich, dass hier niemand einen Kommentar zum Eidg. Jodlerfest in Luzern geschrieben hat. Dabei gäbe es doch so viel zu erzählen oder zu bemerken. Es war wirklich ein Fest der Superlativen mit sage und schreibe 360 000 Besucher. Es war vor allem ein Volksfest mit allem drum und dran, weniger ein Treffen von Jodlerinnen und Jodler. Jedenfalls setzte das OK Luzern ganz neue Massstäbe.
3 Juli 2008, 12:43
Die Zahlen des Eidg. Jodlerfestes bestätigen, was auch schon das Eidg. Schwingfest in Aarau zeigte: Volkskultur liegt im Trend.
Mich würde nun interessieren, was die verschiedenen Akteure daraus machen? Ich hoffe, dass nicht falsche Bescheidenheit sie daran hindert, mehr daraus zu machen! Ich finde die Volkskultur trägt sehr viel zur Kultur in unserem Land bei und die Unterscheidung zwischen Laienschaffen und Professionellem Schaffen in diesem Zusammenhang (wie sie meines Wissens Pro Helvetia gerne ins Feld führt) finde ich etwas fehl am Platz!
3 Juli 2008, 20:30
Meine Befürchtungen wurden wahr. Es wurde ein Volksfest mit Jodlern. Mein Motto wäre: weniger ist mehr.
Trotzdem ein grosses Dankeschön an das OK Luzern.
12 Juli 2008, 16:38
Das JF war super
15 Juli 2008, 14:08
Kein fest für Aktive? Ich als noch jüngerer (31 Jahre) Festbesucher habe andere Feedbacks erhalten. Viele Aktive waren erfreut, so viele interessierte und gutgelaunte Festbesucher (vor allem des jüngeren Semesters) unter den Zuhörern zu sehen! Auch war das Fest ein Zusammenführen von Jung und Alt, Aktiven und eben “Neulingen” der Jodlertradition. Im Moment findet ein grosser Boom statt. Die Jungen sind wieder an den Traditionen unseres Landes interessiert. Sieht man aber das Durchschnittsalter der Jodlerklubs, Alphornbläser und Fahnenschwinger, kann ich es nicht verstehen, dass über Erneuerungen eines Festes kein Verständnis aufkommt. Alles ist falsch was neu oder anders ist. Vielleicht ein Grund, dass Jüngere (18-40 jährige) nur selten als Aktive gesichtet wurden?
Viele Vereine und Verbände hätten grosse Freude, wenn ihr Anlass so gut besucht würde! Für wen macht man Musik? Nur für sich selber? Da kann man beruhigt in den Übungskellern und Probezimmer bleiben und sich das Geld für die Festkarte sparen!
Anstatt sich über den grossen Anklang und die grosse Sympathie für unsere Tradition zu erfreuen, wird heftig gelästert. Schade!
24 Juli 2008, 17:56
Luzern ist eine der schönsten Städte der Schweiz und liegt im Herzen der Eidgenossenschaft. Für mich als Aktive war das Jodlerfest ein “Riesen-Erlebnis”. Gemeinsam mit meinem Chor durfte ich unseren geliebten Jodelgesang einem breiten Publikum präsentieren.
Noch nie war das Interesse an unserem Brauchtum so gross wie an diesem Wochenende, und für dies bin ich sehr dankbar. Zivilisten aus der ganzen Schweiz wie auch Touristen zog diese unvergessliche Attraktion an. Wir als Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger müssen uns für dieses Interesse öffnen und vor allem nicht menschenscheu sein. Ein Jodlerfest sollte nicht nur für die grosse Jodlerfamilie organisert werden, sondern genau wie es die Stadt Luzern gemacht hat, einem breiten Publikum gezeigt werden. Jedes Jodlerfest hat seine Eigenart und in Luzern fühlten wir, dass die Folklore extrem geschätzt wurde.
DAs Organisationskomitee hat grossartige Arbeit geleistet. Die Wettlokale waren alle sorgfältig ausgewählt, das Feuerwerk ein Augen- und Ohrenschmaus, und der Festumzug grandios. Ein Eidgenössischen Jodlerfest darf und muss sich von den kantonalen wie auch regionalen Anlässen abheben. Diese Anforderung hat Luzern definitiv erfüllt.
24 Juli 2008, 18:04
Das Jodlerfest in Luzern war ein Mega-Party-Event für die Zentralschweiz, aber nicht unbedingt ein Fest für die Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger.
Getreu nach dem Motto mehr und mehr Rekorde und Gigantismus wurde ein Partyevent organisiert. Ein Jodlerfest soll offen sein, aber nicht missbraucht werden. Viele haben ein gemütliches Zusammensein und Singen im Jodlerdorf mehr als vermisst. Sehr viele - für manchen Geschmack zu viele - Besucher, die nicht kamen um am Fest der Jodlerfamilie teilzunehmen, sondern um sich an der Party zu vergnügen.
Ein fast fasnachtsdominanter Umzug und auch Musik in Zelten und Bars, die nicht unbedingt zum Jodlerfest gehört.
Positiv waren die gut und zentral gelegenen Auftrittslokale, sehr schön hergerichtete Alphornplätze, ein umfangreiches Verpflegungsangebot und nicht zuletzt der gut organisierte ÖV. Hunderte freiwillige Helfer haben viel und unermüdlichen Einsatz geleistet; ihnen gehört ein grosses Dankeschön.
Hoffen wir doch, dass kommende Jodlerfeste nicht noch gigantischer werden und noch mehr Rekorde brechen müssen. Weniger wäre manchmal mehr!
24 Juli 2008, 18:23
Das lang ersehnte Eidgenössische Jodlerfest in Luzern gehört nun schon der Geschichte an. Es hat gigantische Ausmasse erreicht. Ich möchte an dieser Stelle dem ganzen OK sowie allen Helferinnen und Helfer herzlich danken für den riesigen Aufwand, den sie getrieben haben. Mit enormem Einsatz stellten sie ein bis ins Detail sehr gut organisiertes Jodlerfest auf die Beine. Das prächtige Sommerwetter haben sie sich redlich verdient!
Es wurde uns, wie angekündigt, tatsächlich ein “rüüdiges Fäscht” geboten. Für mich kommt jedoch ein grosses Aber: Es war für mich kein “rüüdiges Jodlerfest”, wie ich es in den letzten Jahren immer wieder erleben und geniessen durfte. Die typische Jodler-Atmosphäre, welche jeweils im und um das ganze Jodlerstädtchen von unzähligen spontanen Vorträgen geprägt wird und bei den Teilnehmern und den Besuchern auf sehr grosses Interesse stösst, existierte in Luzern zu meinem Bedauern praktisch nicht. Dem Fest fehlt deshalb die eigentlich Seele. In verschiedenen Gesprächen stellte ich fest, dass diese Ambiance von vielen anderen Aktiven ebenfalls stark vermisst wurde.
Ich führe dies auf zwei Hauptgründe zurück: Erstens war der Besucheransturm aus Nicht-Jodlerkreisen so riesig wie noch nie. Im Menschmeer gingen die Trachtenleute vielfach unter. Das grosse Interesse an unserem Brauchtum ist zwar erfreulich, es kann aber in dieser Dimension auch seine Schattenseiten haben. Vermutlich übten das nächtliche Feuerwerk und die Rekordbar auf der Seebrücke zusätzliche Anreize auf Besucher aus, die sonst wohl eher nicht ans Jodlerfest gekommen wären.
Trotz des erstmaligen Abfallkonzeptes mit Depotgebühren entstand in der Folge ein noch nie da gewesener Abfallberg auf der Strasse. Dieses negative Bild wirft einen unschönen Schatten auf das Eidg. Jodlerfest, der aber nicht den Mitgliedern des Jodlerverbandes angelastet werden darf. Auf der prall gefüllten Seebrücke mit der riesigen Jodlerbar sah man nämlich nur vereinzelt Leute in Trachten. Diese zogen es vor, mit dem Trachtenschiff oder über die anderen Brücken an das gegenüberliegende Reussufer zu wechseln.
Zweitens, und für mich von noch grösserer Bedeutung, haben die in Luzern stark verbreitete musikalische Beschallung in den Jodlerbeizli und -zelten sowie die zahlreichen Tanzmusikformationen das spontane Singen und Alphornblasen schlicht und einfach verunmöglicht. Auch zu vorgerückter Stunde konnte die einzigartige Ambiance der früheren Feste zum Leidwesen vieler Aktiven nicht entstehen. Im Gegenteil, an mehreren Standorten herrschte plötzlich Ramba-Zamba-Stimmung, wie man sie eher an Turnfesten, aber nicht an Jodlerfesten kannte.
In diesem Zusammenhang sind meiner Meinung nach gründliche Überlegungen notwendig. Anderenfalls werden sehr viele Aktive auf die lang ersehnten und stimmungsvollen Freinächte verzichten und somit die einzigartige Ambiance als Herzstück der Jodlerfeste zum Vornherein verunmöglichen. Was wäre ein Jodlerfest, wenn die meisten Aktiven “nur” für die Wettvorträge anreisen würden?
In diesem Sinne würde ich es sehr begrüssen, wenn die musikalische Beschallung an allen Jodlerfesten vollständig untersagt würde. Die Jodlerfeste sollen von live vorgetragenen Jodelliedern, Alphorn- und Büchelmelodien und Fahnenschwüngen leben.
24 Juli 2008, 18:36
Mit tausenden Kolleginnen und Kollegen aus der Jodler-, Alphorn- und Fähnlerszene haben wir ein wunderbares Wochenende in Luzern verbracht. Zwischen Genfer- und Bodensee wissen es jetzt die meisten, was ein “rüüdig guets Jodlerfest” ist. Die grossartige Kulisse der Stadt Luzern mit der Seebrücke, dem Lido und dem KKL, der See und das Alpenpanorama, aber auch das sagenhaft schöen Wetter, trugen sicher das ihre bei.
Zusammen mit Hunderttausenden von Gästen haben wir es nachdrücklich bewiesen, dass am Eidgenössischen auch rüüdig gute Feste gefeiert werden. mit 10000 PS, Barwagen und Chauffeur wurden wir direkt vor die Tore des Jodlerdorfes chauffiert und am Sonntag mmit den zahlreichen Extrazügen gleichenorts abgeholt.
Als aktiver Teilnehmer habe ich die Helfer in den Wettlokalen als freundlich und kompetent erlebt. Professionell wurden die Teilnehmer empfangen und bis zum Auftritt begleitet. Aber auch das Servicepersonal in den Festbeizen und an den Verpflegungsständen versuchte geduldig die Wünsche der unzähligen feiernden Gäste zu erfüllen. Oder die nette Bus-Chauffeuse spät in der Nacht, die nach kurzer Rücksprache mit der Leitstelle und trotz verdientem Feierabend uns noch zur Endstation in der Nähe unserer Unterkunft brachte und erst nachher zurück ins Depot fuhr.
Dazu gab es auch einige gute Gespräche mit jungen Leuten, die mit unserer Szene zum ersten Mal in Kontakt kamen. Auch ihnen hat es sehr gut gefallen, und ich kann mir vorstellen, dass sie auch in Zukunft an unseren Joderfesten (und möglicherweise sogar in unseren Reihen!) auftauchen werden.
Sicher hat das Eine oder Andere nicht mehr oder nur noch schlecht funktioniert. Der Ansturm auf die Infrastrukturen, die zusätzliche Belastung an die Logistik, das Personal und Komitee waren einfach gewaltig. Unvorhersehbar fast doppelt so viele Gäste wie an bisherigen Jodlerfesten zu bedienen, ist fast unmöglicht. Ich verstehe den momentanen Ärger eines Einzelnen über Wartezeiten oder dem nocht mehr Vorhandensein von Angeboten. Gemessen aber an dem allem was funktioniert hat, sind diese Pannen sicher verständlich.
24 Juli 2008, 18:41
Als Standbetreiber hat unser Klub die hervorragende Organisation des Eidg. Jodlerfestes 2008 in Luzern hautnah miterlebt. Von Beginn weg wurde vom OK ein partnerschaftlicher und offener Austausch gepflegt.
Dieses hervorragende Joderfest ist kein Zufall. Es ist das Resultat bester Organisation eines OKs, das sein Metier und vor allem die Traditionen der Schweiz kennt und hoch hält. Wir wurden von Komplimenten von begeisterten Festbesucher überhäuft. Das OK hat es geschafft, Menschen nach Luzern zu bringen, die vorgängig wenig “am Hut” hatten mit Jodlerfesten. Sie haben die einmalige und friedliche Ambiente genossen und einen nachhaltigen, positiven Eindruck gewonnen. Dem OK, allen Helferinnen und Helfern und der ganzen Bevölkerung der Stadt Luzern gehört ein herzliches Dankeschön.
24 Juli 2008, 18:50
Dass in Luzern Jodlergeschichte geschrieben würde, konnte man als Beobachter bereits Jahre und Monate vor dem Feste erahnen. Der Einblick in die Besetzung im OK sowie der Standort des Festes mitten in der Stadt Luzern liessen hohe Erwartungen aufkommen. Und beim Studium des Festführers konnten Jodler, Alphornbläser und Fahnenschwinger feststellen, dass in Luzern ein grosses, durchorganisiertes Fest erwartet wird. Spätestens als wenige Tage zuvor die Schönwetterprognose eintraf, war alles klar.
Es kamen viele, sehr viele - es sollen an die 350 000 Besucher gewesen sein - die uns 12 000 Aktiven die Ehre erwiesen. Das erfüllt mich als Jodler mit Freude und Stolz. Dass sich all die Besucher irgendwo aufhalten würden und es zu räumlichen Engpässen und örtlichen Staus kam, liegt in der Natur der Sache. Die Logistik liess sich aber nie aus den Angeln heben. Es war eine grandiose Leistung.
Ich hatte jederzeit Zugang zu einer Jodlerwurst, zu einem kühlen Bier oder bei Lust auf kulinarisch Hochstehendem.
Die Zuhörerkulisse in den Wettlokalen kompromislos angefüllt und die Vorträge verkankt mit frenetischem Applaus - welch ein Gefühl nach dem Wettvortrag! Die öffentlichen Verkehrsmittel bis auf letzte ausgereizt - derweil die Parkplätze auf der Allmend und anderswo weitgehen leer blieben.
Das Fest wird in die Jodlergeschichte eingehen, dem OK und der Stadt Luzern gehört ein Dank und unsere Anerkennung.
24 Juli 2008, 19:03
Liebe Verbandsmitglieder
Das Eidgenössische Jodlerfest 2008 in Luzern ist physisch aus der Stadt Luzern verschwunden. Die Eindrücke werden aber bestimmt noch lange nachhaltig wirken. Das heurige Jodlerfest hat unzählige Reaktionen – lobend und kritisch – ausgelöst. Es sind ja auch verschiedene Leserbriefe schon abgedruckt worden. Daher ist es mir ein Bedürfnis, ein paar persönliche Gedanken als Zentralpräsident wiederzugeben.
Als erstes möchte ich mich bei allen herzlich bedanken, die sich in irgendeiner Form (mündlich oder schriftlich) bemerkbar gemacht haben. Ich werde diese Äusserungen nicht kommentieren, denn dies sind persönliche Meinungen und aus Sicht der Ersteller berechtigt. Meine Eindrücke möchte ich in kleinen Blocks kundtun.
Rekorde, Rekorde, Rekorde………
In den Berichterstattungen wurde wohl kein Wort so viel erwähnt wie das Wort “Rekord”. Zweifellos ist es auch passend, denn das ganze Fest ist rekordverdächtig. Nun hat man vielleicht den Eindruck gewonnen, das OK Luzern wollte bewusst auf diesen Rekord hin arbeiten; also Quantität statt Qualität. Aus meiner Sicht ist dem nicht so. Das OK-Luzern wollte möglichst viele Jodlerinnen, Jodler, Alphornbläserinnen, -bläser und Fahnenschwinger ans Fest holen, um so eine Grossdemonstration unseres Brauchtums zu garantieren. Sie haben dies mit einem gewaltigen Engagement und einer riesengrossen Präsenz in den letzten 3 Jahren gemacht. Es war ein Erfolg und die Anmeldungen stiegen auf 12‘000 Aktive. Die Festplanung wurde auch stabsmässig auf einem sehr hohen Niveau angegangen und umgesetzt. Schlicht nicht planbar sind die Menschen. Ich gebe zu, dass ich zeitweise auch sprachlos war ob dieser Menschenmenge. Dass so viele Leute zu uns ans Fest gekommen sind, dürfen wir nicht dem OK zum Vorwurf machen und ihnen die Quantität unterschieben. Luzern ist eine Touristenstadt. Hier sind eh schon immer mehr Leute als in durchschnittlichen Städten. Interlaken wird bestimmt ähnliche Voraussetzungen haben. Weiter kam das traumhafte Wetter dazu, welches so schlicht nicht planbar ist. Stellen wir uns vor, es hätte geregnet? Dies hätte dem Fest einen komplett anderen Charakter verliehen. Also müssen wir auch hier fair sein und feststellen, dass zu schönes Wetter nicht unbedingt nur Vorteile bringt. So ein Riesenfest fordert OK und Stab ja denn auch sehr stark. Hier hat das OK jedoch eine grandiose Meisterleistung gezeigt und vollste Flexibilität bewiesen. Das OK hat das Fest jederzeit im Griff gehabt und es kam praktisch zu keinen Zwischenfällen!
Aktive an den Rand gedrängt………
Ja, ich muss zugeben, dass die 12‘000 Aktiven in dieser Menschenmenge schon sehr stark verdünnt wahrzunehmen waren. Ich konnte aber feststellen, dass sich das Fest irgendwie wie aufgeteilt hat. Die Seebrücke gehörte Freitags- und Samstags, zu 90% den Jugendlichen. Europlatz, Inseli, Schweizerhofquai bis hin zum Musikpavillon und die Achse zur Jesuitenkirche waren mehrheitlich von Aktiven bevölkert. Ein Zirkulieren um den See, war am Samstagabend nur erschwert und mit enormer Geduld möglich. Der Seeweg mittels den Nauen, bot hier aber noch eine Alternative. Ich konnte da und dort spontanes, gemeinsames Singen und Jutzen feststellen. Dies war mir möglich, da ich während dem ganzen Fest immer wieder von einem Termin / Ort zum anderen jagte. In diesen vielen Leuten ging dieses vielleicht fast ein wenig unter. Den Eindruck, dass weniger gesungen wurde als an anderen Festen habe ich aber nicht. Es war einfach so, dass wenn man einen Platz gefunden hatte, auch dort blieb. Je nach dem was mir dort im Umfeld geboten wurde, war es halt viel oder wenig. Klar hätte ich mir auch gewünscht, dass man gemütlich durchs Fest bummeln könnte. Aber die vielen interessierten und nicht planbaren Zuschauer und Festbesucher haben dies halt erschwert.
Musik in den Festzelten………
Es ist grundsätzlich so, dass die Jodler sich eigentlich selbst unterhalten können und dies auch tun. Daher kann man sicher sagen, dass nicht in allen Zelten eine Musik notwendig ist. Es sollte aber möglich sein, dass Musik und spontanes Singen in Absprache nebeneinander Platz haben. Wenn dies vielleicht nicht überall möglich war, ist dies sicher zu bedauern. Wir müssen uns auch daran gewöhnen, dass vielleicht etwas andere Musik als wir uns dies bisher gewohnt sind, am Fest anzutreffen ist. Aber auch hier denke ich, gilt das gesunde Mass.
Wettlokale zum Bersten voll………
Ein Dauerthema. In Luzern haben wir nun erstmalig ein Lokal benützen können, welches über 1‘800 Sitzplätze verfügt. Ein Lokal das sicher genügend Reserve birgt. Denkste! Am Freitag um 18.00 Uhr Beginn der Wettvorträge der Konzertsaal des KKL war randvoll und blieb es auch für die restliche Dauer des Festes! Die Wettvortragslokale werden auch künftig unser Problem bleiben. Denken wir nur daran, wenn wir zu starke Auflagen machen werden wir Mühe haben, künftige Festorte zu finden. Wenn wir mehr Lokale im Jodelgesang einsetzen brauchen wir logischerweise auch mehr Juroren. Hier haben wir dann schon das nächste Problem. Für die Betreibung von 12 Lokalen brauchen wir 72 Juroren (soviele haben wir im Moment gerade noch.) Jedes weitere Lokal bedeutet 6 zusätzliche Experten für den Betrieb. Hier wird auch Interlaken nicht besser abschneiden. Die Lokale sind und bleiben einfach Engpässe.
Nachtspektakel
Es war sicherlich der Höhepunkt vom Freitag und Samstag; das Nachtspektakel im Seebecken. Auch hier wollte uns das OK erfreuen und es ist ihnen meiner Meinung nach gut gelungen. Es gab auch kritische Stimmen, die sich fragen ob so was nötig ist. Dies muss jeder für sich beantworten. Wieder andere fühlten sich durch diese Aufführung gestört – nun es dauerte ja “nur” 20 Minuten und dies ist ja auf den ganzen Tag verteilt wirklich nicht viel. Ich fand es schön, dass die Sponsoren es ermöglicht haben, einen solchen optischen und musikalischen Höhepunkt ins Fest zu integrieren.
Feststimmung
Wenn ich die Bilder betrachte, die die unzähligen Fotografen während des ganzen Festes geschossen haben, rührt es mich. Ich darf feststellen, dass sich in ihnen Lebensfreude und Ausstrahlung spiegelt. Die Stimmung ist vielleicht nicht immer bis zu allen nach vorne gedrungen, aber sie war zweifelsohne da. Gespräche mit erfreuten Besucherinnen und Besuchern, die ich am Sonntagabend noch in Luzern geführt habe, bestätigen mir dies.
Festakt
Der neu gestaltete Festakt kann sich punkto Konzept und Durchführung sehen lassen. Es kamen viele positive Rückmeldungen – auch seitens Bundesrats – zur Art der Durchführung. Der Festakt durfte sich einer gesteigerten Anzahl Besucher erfreuen und so wären wir einem weiteren Ziel näher.
Festumzug
Der Festumzug hat voll überzeugt. Eindrücklich für mich, dass an einem so heissen Sonntag, so viele Leute die Umzugsroute säumten. Schlicht wunderbar! Selbst Bundesrat Hansrudolf Merz und Regierungspräsident Markus Dürr waren überwältigt! Kam doch immer wieder der Satz: „Lueg emau da füre, das isch ja vereckt die Lüt!“ Dass innerhalb des Umzuges ein relativ langes Sujet Fasnacht auftauchte, verursachte auch da und dort Stirnrunzeln. Nun die Fasnächtler wollten mit diesem Umzug ihr „JoDuFäscht“ noch abschliessen. Aussenstehende schütteln vielleicht den Kopf und fragen sich was das soll, wir sind ja nicht an der Fasnacht. Nun wir haben in den Fasnachtskollegen Vertraute gewonnen. Eine Anzahl Leute aus der Fasnachtsszenerie, welche sich im Fahnenschwingen, Alphornblasen und Jodeln für das „JoDuFäscht“ vorbereitet haben, sind heute Mitglied im EJV. Es hat ihnen gefallen und darum möchten sie bei uns mitmachen. In einer persönlichen Widmung habe ich von den Fasnachtsverantwortlichen folgendes mitgeteilt bekommen: „Spätestens seit der Fasnacht 2008 hat die Jodlerkultur in unseren Herzen einen festen Platz!“ Was kann uns besseres passieren? Weiter darf ich noch sagen, dass es bis jetzt noch nie so war, dass das Schweizer Fernsehen den Umzug live bis zum Schluss gesendet, und dadurch nachfolgende Sendungen aus dem Programm gekippt hat. Normalerweise wurde nach 2 Stunden einfach ausgeblendet. Es ist ein Verdienst des OK-Luzerns und der Nachhaltigkeit dieses Festes, dass dies nicht passiert ist! Wir haben gegenüber den Medien einen ganz anderen Stellenwert erhalten die Medien nehmen uns wieder ernst! Eine Feststellung die ich in Gesprächen mit verschiedenen Journalisten machen durfte.
Interlaken 2011
In Luzern waren Verantwortliche vom OK-Interlaken anwesend und konnten so wertvolle Eindrücke mitnehmen. Mir scheint es wichtig, dass Festorte sich nicht gegenseitig ausspielen. Sie sollen für den Auftrag der Organisation eines Jodlerfestes ihren eigenen Ideen und Rahmenbedingungen folgen. Jedes Fest ist in sich ein Unikat und das soll auch so bleiben.
Fazit
All die vielen Eindrücke, Reaktionen werden wir im Zentralvorstand und auch im OK noch aufarbeiten und eine Schlussbilanz ziehen. Sicherlich werden auch Gespräche mit dem OK Interlaken im Sinne des Erfahrungsaustausches stattfinden. Erfreulich ist auch die hervorragende Medienpräsenz am Jodlerfest Luzern. Hier konnten wir auf der sehr guten Vorlage vom Jodlerfest Aarau aufbauen und das Ganze vertiefen. Der Eidgenössische Jodlerverband hat mit seinem Fest gegenüber dem Fernsehen, Radio und den Printmedien enorm an Bedeutung gewonnen.
Liebe Verbandsmitglieder.
Kritik – das bin ich mir bewusst – ist immer viel eher ausgesprochen als Lob. Als Beispiel dazu nenne ich die Aufhebung der Beschränkung der Sängerzahlen. Was wurden wir da von der Basis kritisiert, weil wir diese nicht aufheben. Jetzt haben wir es aufgehoben. Echo? Echo ist gleich null und man kritisiert bereits wieder etwas anderes. So geht es weiter. Es wird einfach immer kritisiert, öffentlich oder im versteckten. Nun mit dem muss man in der heutigen Zeit leben – es ist unsere Gesellschaft. Einfach hingehen und das Ganze als Ganzes sehen und dann die Bilanz zu ziehen, ist wohl eine zu schwierige Sache. Für jemanden der seinen künftigen Lebenspartner am Jodlerfest Luzern kennen gelernt hat, ist es glaube ich Wurst ob alles geklappt hat. Für sie ist es bestimmt das schönste Fest aller Zeiten. Anders für den, dem es am Vortrag nicht optimal gelaufen ist, später nirgends einen Platz findet und wenn er dann Singen will, ihm noch eine Musik dazwischen funkt, hat vermutlich einen anderen, schlechteren Eindruck vom Fest.
Also es gibt immer beide Arten von Eindrücken. Ich wünsche uns allen, dass wir einmal Auffliegen und das Ganze etwas von oben her anschauen. Dies gibt meistens eine ganz andere Sichtweise. Dem OK-Luzern und seinem Helferstab gebührt mein aufrichtiger und grossmächtiger DANK für diese Leistung!
Ich hoffe, das auch meine Zeilen bis hierhin gelesen wurden und nachvollziehbar sind. Schwelgen wir noch ein wenig in den Erinnerungen an Luzern. In diesem Sinne wünsche ich euch allen einen schönen Sommer!
26 Juli 2008, 6:55
Die Worte von Stephan Felix treffen den Nagel auf den Kopf. Jeder von uns lüftet in der Regel täglich seine Wohnräume um die abgestandene Luft durch neue, frische zu ersetzen. Es käme niemadem in den Sinn, die gleiche Luft wieder in die Wohnung zu schleusen. Wenn diese so wäre, wären würden wir ob kurz oder lang ersticken. Dies kann auch unserer Tradition passieren, wenn wir nicht den Mut haben, neues zu versuchen. Die Jodlerfeste sind eine Möglichkeit dazu. Ich kann auch nicht verstehen, weshalb man da jetzt so ein Geschrei macht. Luzern ist das erste Jodlerfest, welches eine solche Menschenmenge angezogen hat. Die Gründe, weshalb dies so war, habe ich meinem Schreiben an die Mitglieder versucht darzustellen. Jeder Fesort ist anders und wird andere Probleme zu bewältigen haben. Für Leute die weniger Festbesucher begegnen wollen, dienen hier sicherlich die Unterverbandsfeste, die zwischen den Eidgenössischen Festen stattfinden und eher den regionalen Charakter haben. Das Eidgenössische Jodlerfest ist ein NATIONALES FEST und somit ist hier auch ein grösserer Besucherandrang zu erwarten. Zum Schluss muss ich einfach noch einmal festhalten, Kritik wäre aus meiner Sicht berechtigt gewesen, wenn das OK das Fest im Ablauf nicht im Griff gehabt hätte. Dann hätte sicher auch ich meine Gedanken mitgeteilt. Das OK Luzern hat aber das Jodlerfest über die ganze Zeit, begonnen vom Donnerstag bis hin zum Sonntagabend, im Griff gehabt und auf die wechselnden Anforderungen, beispielhaft und vorbildlich reagiert. Dass so viele Besucher an unser Fest gekommen sind, ist eine Folge des momentanen Stellenwertes und der Sympathie unserer Volkskultur gegenüber und kann nicht dem OK zum Vorwurf gemacht werden!
Es ist so wie Stephan Felix schreibt, statt uns dieser an Anerkennung und Sympathie zu erfreuen müssen wir alles aufzählen was aus persönlicher Sicht nicht gut war. Da muss ich auch sagen, schade, dass hier nicht mehr Weitsicht vorhanden ist.
29 Juli 2008, 11:09
Also Grundsätzlich hat mir das Jodlerfest so gefallen, wie es war. Man bedenke, dass auch am NOSJV-Fest in St. Moritz sehr viele Leute waren (im Gegensatz zum WSJV-Fest in Rechthalten 2006, welches wegen dem miesen öV-Angebot auch nicht mehr Besucher verkraften konnte).
Wenn man nun etwas wirklich kritisieren will, dann ist es die Bar auf der Seebrücke, welche wohl der grösste Abfall-Lieferant der Strasse war. Dass eine Bar aber jeweils den grössten Abfallberg produziert ist leider an manchem Fest ein Problem (und Depot auf Becher usw. hilft da leider nur bedingt, dieses Problem zu lindern).
Tatsache ist aber für mich, dass das Fest in den Festbeizen ganz ok war und auch das eine oder andere Lied gesungen wurde.
Die Kritik sollte man aber trotzdem nicht unterschätzen.
30 Juli 2008, 9:12
Wieso nur stets das Negative suchen, es gibt viel mehr Postives…
Mit grosser Bestürzung haben wir am Mittwoch, 16. Juli, in der Neuen LZ gelesen, dass am Eidgenössischen Jodlerfest in Luzern zu viel „Halligalli“ und kein Platz zum Singen war. Bekannte Jodlergrössen seien enttäuscht vom Jodlerfest Luzern. Dazu möchten wir uns als aktive Jodlerin und als aktiver Jodler melden. Seit 1985 haben wir an mehr als 25 Jodlerfesten an den Wettvorträgen teilgenommen. Auf das Jodlerfest Luzern freuten wir uns besonders, da es praktisch vor unserer Haustüre stattfand. Die grosse Medienpräsenz vor dem Fest liess auf Einiges hoffen und man spürte, dass das OK des Jodlerfestes mit viel Herzblut jedes Detail bestens plante.
Nach intensiver Vorbereitung und riesiger Vorfreude begaben wir uns am Freitag, 27. Juni, nach Luzern. Emsiges Treiben herrschte im Bahnhof Luzern, als von allen Seiten Trachtenleute aus den Zügen stiegen. Erstmals war das Bahnbillet ans Eidgenössische Jodlerfest im Festkartenpreis inbegriffen und zwar ab jeder Ortschaft der Schweiz. Die Stadt Luzern war farbig geschmückt und lud zum Verweilen ein.
Beim Einsinglokal wurden wir herzlich in Empfang genommen und vor dem Wettlokal bestens betreut. In den Gassen um den See trafen wir viele Jodlerinnen und Jodler, um kurz Gedanken auszutauschen. Das Feuerwerk um 22.30 Uhr war grandios, auch die Aktiven des Jodlerfestes staunten und erachteten es als gelungene Bereicherung des Festes. Der Nachtbus der VBL führte uns gratis zu unserem Zimmer, auch die Benutzung aller Busse um Luzern waren im Festkartenpreis inbegriffen.
Am Samstag lockte das prächtige Wetter noch mehr Leute ans Jodlerfest. Die Kulisse mit See und Pilatus war einmalig. Am Nachmittag fanden wir ein schattiges Bänklein, um vor unserem vierten Wettvortrag etwas auszuruhen. Auch das gab es in Luzern! Obwohl sehr viele Leute am Jodlerfest Luzern waren, blieben alle Betreuer vor den Wettlokalen sehr herzlich und ruhig, von Hektik keine Spur.
Vor dem Jodlerfest haben wir für 60 Personen in einem Festbeizli Tische fürs Nachtessen reserviert. Für uns wurde sogar der Tisch sauber gedeckt und nach 15 Minuten hatten alle ihr bestelltes Nachtessen serviert. Wir konnten die ganze Nacht feiern, singen, jutzen und das Jodlerfest voll geniessen. Die Stimmung war gewaltig.
Am Sonntag hat uns ein Wirt einen grossen Sonnenschirm für den Umzug geliehen, so dass wir die mit viel Liebe gestalteten Nummern im Schatten geniessen durften. Etwas müde, doch mit vielen sehr positiven Eindrücken fuhren wir am Sonntagabend nach Hause.
Wir als Jodler fühlten uns keineswegs an den Rand gedrückt in Luzern. Es gab durchaus Plätze, wo mehrere Leute gemeinsam sitzen konnten, vielleicht halt etwas abseits von der Seebrücke. Zum Glück war prächtiges Festwetter, nicht vorzustellen, wie das Fest bei strömendem Regen verlaufen wäre. Jodeln wird von nicht Aktiven positiv wahrgenommen, das spürten wir immer wieder, wünschten uns doch unzählige Nichtjodler viel Glück für unsere Wettvorträge. Vielleicht müssen wir Jodlerinnen und Jodler etwas toleranter werden für unsere Festbesucher. Auch sie sollen mit uns feiern und festen dürfen.
Dem OK danken wir ganz herzlich für die vielen, ehrenamtlichen Stunden für die Vorbereitung und Durchführung des Jodlerfestes. Das Jodlerfest Luzern wird für uns in bester Erinnerung bleiben und wir finden es nicht angebracht, stets nur das Negative zu suchen und zu kritisieren. Wir freuen uns bereits heute auf das Eidgenössische Jodlerfest in Interlaken 2011.
30 Juli 2008, 9:16
Alphornblasen – Negativ-Rekord am Eidgenössischen Jodlerfest
Die Rekordzahlen am Eidg. Jodlerfest in Luzern waren in der letzten Zeit in allen Medien und Diskussionen präsent. Auch der Zentralpräsident ging in darauf ein. Ich erlaube mir nun, in Bezug auf die Bewertung der Alphornvorträge auch auf einen neuen Rekord hinzuweisen: Die Elite unserer Bläserinnen und Bläser (mit Klasse 1 oder 2 in den Zwischenjahren) trat in Luzern an. Man freute sich auf viele gute und sehr gute Vorträge. Doch die Klassierungsliste zeigt anderes! Nehmen wir die Einzel-Alphornvorträge, welche eine „Ausbeute“ von 26,5% 1. Klasse, 47,2% 2. Klasse und 25%(!) 3. Klasse zeigt. Im Gegensatz zum Fest in Aarau vor 3 Jahren wo 37,2% 1. Klasse, 40,5% 2. Klasse und 19,6% 3. Klasse juriert wurden, ist ein markanter Abstieg zu verzeichnen und als neuer Negativ-Rekord zu werten.
Sind die Bläserinnen und Bläser seither um soviel schlechter geworden oder hat sich eine markante Verschärfung der „Juriererei“ abgezeichnet? Ersteres würde anzeigen, dass die Arbeit der Verbandskursleiter, aus deren Kreisen übrigens ja die meisten Jurorinnen und Juroren stammen, nicht über alle Zweifel erhaben wäre. Wäre das zweite der Grund, muss man sich wirklich fragen, was solche „Eisenfresser“-Methoden der Alphornzukunft im Verband wohl bringen.
Meiner Meinung nach fühlt sich eine grosse Zahl Aktiver vor den Kopf gestossen und ein Teil wird sicher inskünftig den Auftritt an einem Jodlerfest meiden. Ob das der Sache dient, mögen die Verantwortlichen selber herausfinden. Die zukünftigen Fest-Organisatoren und die Unterverbände werden den Teilnehmerrückgang finanziell zu spüren bekommen. Das kann man dann allerdings mit Erhöhung der Festkartenpreise ja wieder ausgleichen.
Ihr strengen Juroren fahrt nur so weiter, setzt die kanadische Notenbeigerei zwischen Bass-C und C3 sowie die Jagdhornbläserei in die Klasse 1 und die natürlicheren Interpreten unter „ferner bliesen“!
Es grüsst Euch ein Alphornbläser, welcher nach gut 30 Jahren Aktivität erstmals mit einer Klasse 3 „gesegnet“ wurde. Ich werde inskünftig die Blaskonkurrenzen meiden und auch die Mitgliedschaft im Jodlerverband sehr in Frage stellen.
30 Juli 2008, 9:19
Mir «stinkts» langsam !!!
Das Jodlerfest ist vorbei und jetzt wird debattiert. Es gibt im ganzen Leben Pro und Contra, aber so wie wir Jodler uns aufführen, ist mehr als beschämend. Noch schlimmer ist, dass einige von uns in Tageszeitungen dasselbe tun.
Behalten wir die schönen Stunden in Erinnerung! Es soll jeder eine Lehre aus diesem Fest ziehen. Ich für meinen Teil habe dieses getan. Überlassen wir doch Interlaken, wie sie das nächste Fest organisieren und haben nicht jetzt schon Ängste und Vorurteile. Freuen wir uns doch lieber auf das nächste Unterverbandsfest und die vielen dankbaren und schönen Momente, die wir während dem ganzen Jahr haben.
30 Juli 2008, 9:21
Das Eidgenössische Jodlerfest und seine Lieder, sein Charme und die Festfreude sind verklungen. In unseren Herzen klingt das Eidgenössische Jodlerfest aber noch lange nach. Wir haben Eure Gastfreundschaft zusammen mit den Hunderttausenden von Menschen in vollen Zügen genossen.
Wir Schwarzenbacher Jodler haben also Grund genug, um Euch ein herzliches Dankeschön zu sagen. Wir haben uns – auch wenn es zeitweise eng wurde – in Luzern wohl gefühlt. Als Huttwiler und somit Anreiner an das Luzerngebiet, wussten wir, dass die Luzerner festen können. Was Ihr uns geboten habt – und das war nicht wenig – das hat unsere Erwartungen nicht bloss erfüllt, sondern überboten.
Wir werden immer wieder gern nach Luzern kommen und auf der Seebrücke, der Kappelbrücke oder dem Quai entlang in schönen Erinnerungen schwelgen. Mit einem Jutz im Herzen verbleiben wir mit freundlichen Grüssen
30 Juli 2008, 9:28
Noch nie hat ein Eidgenössisches Jodlerfest ein solches Medienecho ausgelöst, wie das Eidgenössische in Luzern.
Insgesamt sind in den Printmedien 301 Artikel erschienen, (wovon lediglich 4% negativ ausgefallen sind). Von den Radio- und TV-Stationen wurden ungefähr 250 Beiträge gesendet.
Nachfolgend einige ausgewählte Stimmen:
- Tagesanzeiger, 25.06.08: Volksmusik hat den Ruch des Rückständigen verloren.
- NLZ, 26.06.08: Heimat und Swissness sind wieder in.
- Sonntagsblick, 29.06.08: Sie jodeln die Euro an die Wand.
- Tribune de Genève: La tradition a du bon: la manifestation a tout simplement doublé son audiance par rapport à la précédente édition il y a trois ans.
- Südostschweiz, 30.06.08 : Leuchtenstadt adieu – es war so schön! und weiter: Einmalige Atmosphäre. Einfach wunderbar sei es gewesen, so der Tenor der Jodler.
- Walliser Bote, 30.06.08: Das erfolgreichste Jodlerfest aller Zeiten. Für alle Beteiligten wird dieses Fest in bester Erinnerung bleiben. Einmaliges Rahmenprogramm am See.
- Bote der Urschweiz, 30.06.08: Das schönste Jodlerfest aller Zeiten
- NZZ, 30.06.08: Ein Sommermärchen – gejodelt, gejuchzt und gehornt.
- Jungfrau Zeitung, 30.06.08: Eidgenössisches in Luzern übertraf alle Erwartungen. Und: Genau diese Stimmung – fröhlich, ausgelassen und friedvoll – war in Luzern während des Eidgenössischen Jodlerfestes zu spüren. Es war „es rüüdigs Fäscht“ – unvergesslich schön.
- Linth Zeitung, 30.06.08: In den vier Tagen wurde auch die Verbindung von Jung und Alt wie ein roter Faden hochgehalten. Man hatte gemeinsam Freude im friedlichen Miteinander. Der Nachwuchs zeigte, Jodeln steht bei den Jungen im Trend.
- Schweizer Illustrierte, 01.07.08: Richtig heimelig und ein Riesenerfolg war das Jodlerfest in Luzern. Das 27. Eidgenössische Jodlerfest in Luzern war ein Volksmusik-Anlass der Extraklasse. Vier Tage urchige Jutzer, prächtige Trachten, grandiose Stimmung.
- Schweizer Bauer, 02.07.08: Luzern ist eine Festhütte und hat schon einige gesehen. Aber das Jodlerfest hat alle aus den Socken gehauen. Zeitweise blieb man einfach in den Menschenmassen stecken. Was aber eigentlich nicht so schlimm war. Denn immer ertönte irgendwoher ein fröhliches Jodellied.
- Frankfurter Rundschau, 03.07.08: Ein Ruf schallt aus der Schweiz hinaus in die Welt – und die Welt kommt.
30 Juli 2008, 18:11
Die Diskussion auf dieser Seite hat den Weg auch in die französischsprachige Schweiz gefunden. Die Zeitung “Le Temps” befasste sich am 17.07.2008 in einem ausführlichen Artikel mit den Meinungen der Aktiven wie auch den Besuchern des Eidgenössischen Jodlerfestes und verwies auf diese Blogseite.
blog-volkskultur.ch ist übrigens auch so eingerichtet, dass er in französischer und italienscher Sprache benutzbar ist – sogar mit eigener Homepage-Adresse!
3 August 2008, 8:30
Die vielen Blogbeiträge und Leserbriefe zeigen ein deutliches Bild: Die kritisierenden Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die den bisher geschätzten Charakters eines Jodlerfestes in Luzern vermissten, stehen denjenigen gegenüber, die den Eventcharakter, die hohe Besucherzahl von Nicht-Aktiven aus der Bevölkerung und den sich „öffnenden Jodlerverband“ loben. Aus meiner Sicht prallen da nicht bloss differierende Meinungen aufeinander. Individualisierung und Polarisierung als bekannte, gesellschaftliche Entwicklungen der neueren Zeit schimmern hier durch – wir werden uns als Verbandsmitglieder zukünftig mehr mit der wachsenden Heterogenität befassen müssen. Das geht nicht nur uns so, wie man beispielsweise auf der politischen Bühne beobachten kann.
Ich hatte ebenfalls meine Vorstellungen und reiste mit einer Erwartungshaltung nach Luzern. Sie wurde nur teilweise erfüllt – auch ich war teilweise enttäuscht. Ich kann die kritischen Stimmen gut verstehen, die mit der Ausrichtung des Anlasses, mit den Besuchermassen und deren Folgen Mühe hatten. Erwähnenswert sind hier die Hinweise, die darauf hindeuten, dass sich die Situation nicht in der ganzen Feststadt dieselbe war. Die besuchten Standorte und Lokalitäten spielten genauso eine Rolle, wie die persönliche Wahrnehmung. Was für den einen zuviel war, wurde vom anderen noch als akzeptabel eingestuft.
Andrerseits musste ich mir in den letzten Wochen der „Verarbeitung“ auch zugestehen, dass meine Erwartungshaltung teilweise falsch war. Aufgrund der mehrjährigen organisatorischen und vor allem kommunikativen Anstrengungen des OK Luzern hätte ich mich besser auf diese Fest einstellen können. Anzeichen, dass in Luzern einiges anders sein könnte, hätte es genug gegeben. Stichworte dazu sind Intensive Werbung, Luzerner Fasnacht, Rail-Away-Kombi, Feuerwerk oder JodelPlus. Über die erwartete Besucherzahl machte ich mir zwar Gedanken. Ich fragte mich aber nie, was auf mich zukäme, wenn massiv mehr Leute in Luzern sein würden. Die Veranstalter haben dieses Risiko offenbar beachtet und sich entsprechend vorbereitet – sonst wäre die Logistik zusammengebrochen. Das verdient Respekt und Anerkennung.
Ich ziehe zwei persönliche Schlüsse:
Es ist nicht mehr möglich, alle Interessen unter einen Hut zu bringen. Wir müssen uns endgültig von der Vorstellung lösen, ein Eidgenössisches könne sowohl ein gemütliches Fest mit viel Gemütlichkeit und Jodelgesang sein und zugleich dem Zeitgeist gerecht werden und in den Medien sowie in der Bevölkerung ein derart grosses Echo auslösen. Abstriche sind unausweichlich, entweder auf der einen, auf der anderen oder – in geringerem Masse – auf beiden Seiten.
Zudem werde ich persönlich nebst der musikalischen und organisatorischen Vorbereitung der mentalen Einstellung auf den Anlass und dessen Charakter zukünftig mehr Bedeutung zumessen.
Mich stört im laufenden Blog und in etlichen Leserbriefen, dass in der laufenden Diskussion nur auf das Luzerner Fest Bezug genommen. Wir haben es nicht mit einem Ereignis zu tun, sondern mit einer Entwicklung, die mehr als 20 Jahre zurück reicht! Diskussionen, ob das Eidgenössische – an einem Wochenende durchgeführt – zu gross werde, gab es schon 1987 in Brig. Auch 2006 in Aarau wurde einiges in Frage gestellt, Lob und Tadel ausgesprochen. Wir neigen dazu, unsere Gedanken auf die letzten drei Jahre mit den noch „frischen“ Erinnerungen zu beschränken. Das müssen wir meines Erachtens ändern. Wenn ich die heutige Eventkultur, das mediale Konsumverhalten breiter Bevölkerungskreise in die Gedanken miteinbeziehe, dann kann ich dieser neuzeitlichen Ausrichtung des Eidgenössischen durchaus Positives abgewinnen. Die Berichterstattung über den Anlass, das vermehrte Thematisieren unseres Brauchtums über verschiedenste mediale Kanäle, könnte uns im statuarisch verankerten Grundanliegen, der Erhaltung, der Förderung und Entwicklung des Jodelgesanges, des Alphornblasens und des Fahnenschwingens unterstützen. Die Frage der Nachhaltigkeit ist hier berechtigt – dazu können wir heute noch keine Schlüsse ziehen. Wenn ein Teil von Journalisten – unter dem Einfluss der jüngsten Zeit und etwas „geblendet“ von Feuerwerk und neuen Rekorden – positive Botschaf-ten aussenden und den Jodlerverband mit Begriffen wie „neuzeitlich“, „friedlich“, „kreativ“, „offen“ etc. in Zusammenhang bringt, dann lassen wir das so geschehen. Schliesslich haben wir lange genug das Gegenteil erlebt. Nichts desto trotz hoffe ich, dass wir zukünftig das ganze Jahr hindurch in den Printmedien dort etwas mehr Beachtung finden, wo wir eigentlich hingehörten: In den Kulturseiten, die Brauchtumsentwicklung und gesellschaftliche Zusammenhänge thematisieren. Da wäre mehr Substanz vorhanden als in den Newsseiten mit den schönen Umzugsbildern und rekordverdächtigen Zahlen.
Der Wandel der Zeit wird uns immer wieder vor die Frage stellen, welche Anpassungen wir vornehmen wollen. Ich wünsche mir – einmal mehr – etwas mehr „Tiefgang“ in solchen Diskussionen. Es wirkt nicht nachhaltig genug, wenn wir heute auf der einen Seite das OK oder den Verband kritisieren oder umgekehrt auf der anderen Seite stimmgewaltig zur Lobeshymne ansetzen. Es bleibt mir die Gewissheit, dass Veränderungen stehts Chancen und Risiken in sich bergen. Wo Licht ist, ist auch Schatten. Raketen ziehen nicht nur Aufmerksamkeit auf sich – sie erzeugen auch Schall und Rauch. Dies zwei Gedanken in Anlehnung ans Feuerwerk in Luzern. Der abziehende Dunst wird denjenigen Kräften die nötige Weitsicht ermöglichen, die es nicht beim blossen Positionsbezug belassen möchten, sondern nach Möglichkeiten suchen, verschiedene Bedürfnisse so gut wie möglich unter einen Hut zu bringen.
Jürg Röthlisberger, Mühlethurnen