Trachten sind ein kostbares Volkskulturgut

Veröffentlicht am 12 März 2010, 20:50 in Folklore, Brauchtum, Kunsthandwerk, Verschiedenes.

Von Ernst A. Meyner   Folklore-Redaktor

Trachtenvereinigungen, Trachtenschneidereien, Trachtenmode, Trachtenkapellen, Trachtentänze usw. – Begriffe, die in der Szene und in den Medien oft auftauchen. Bei  uns gibt es in jedem Kanton verschiedene Trachten. Innerhalb jedes Kantons sind besonders die Frauentrachten regional sehr bekannt. Vorab auf dem Land werden kunstvolle Festtags- und Werktagstrachten getragen.

Die bekanntesten Festtagstrachten sind die schwarze Berner Tracht mit ihrem reichen Silberschmuck und die Engadiner Tracht aus rotem Wollstoff. Im Kanton Zürich sind die Wehntaler Tracht mit der leuchtenden blauen Schürze und die Tracht des Knonaueramtes häufig zu sehen. Unter den Männertrachten sind der «Berner Mutz» – eine schwarze, kurzärmlige, bestickte Samtjacke –, die Appenzeller Sennentracht mit den gelben Hosen und dem silbernen Löffel im Ohr und die verzierte blaue Trachtenbluse der Innerschweiz bekannt.

Im einem 1914 verfassten Vorwort zum Buch «Schwyzerländli – Mundarten und Trachten in Lied und Bild» heisst es: «Dieses Buch zeigt, welches Kleinod wir, unbeschadet unserer nationalen Einheit, in der kulturellen Verschiedenheit der Volksstämme besitzen, die in unserem Land nebeneinander wohnen.»

Heute sind die Schweizer Trachten, wenn auch modischer, doch nach wie vor Ausdruck unserer Volkskultur und Volkskunst, die wir schützen müssen. Dazu haben wir allen Grund. Tragen Sie Ihre Tracht auch mit Stolz?

Dieser Beitrag reflektiert die Meinung der Autorin / des Autors und nicht zwingend diejenige der Redaktion.

2 Kommentare zu 'Trachten sind ein kostbares Volkskulturgut'

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  1. Christian Ganz schrieb,

    12 März 2010, 21:02

    Lieber Herr Meyner,
    Ich habe schon seit Jahren Ihre Artikel und Kolumnen gelesen, aber was Sie hier über die Trachten schreiben, veranlasst mich zu einer Antwort. Obschon ich nur ein „langjähriger“ Jodler bin und kein Folkloreexperte, glaube ich doch einiges über die Trachten zu wissen. Ich finde Ihren Artikel einwenig bedürftig und unkorrekt.

    Die Appenzeller tragen ein goldenes Löffelchen im Ohr und nicht silbern. Auch tragen nur die „Schellenschütter“ gelbe Hosen. Von den Frauentrachten werden viele wunderbare und kostbare Trachten getragen, die den Bernertrachten weit ebenbürtig sind. ZB, im Lötschental, Wallis, Luzern, Ob- und Nidwalden nur um einige zu nennen. Am Zürichsee sind je nach „Sonnenufer“ oder „Pfnüselküste“ die Stickereien mit Rebenranken oder Apfelblüten verziert.

    Es gibt Werktags-, Zwischen- Sonntags- und Festtagstrachten die je nach Anlass getragen werden oder wurden. Zu meiner Schulzeit trugen wir den Berner - Mutz am Sonntag, auf der Schulreise und anderen festlichen Anlässen. Für meine Mutter war die Oberhaslitracht ihr Sonntagskleid und alle meine Schwestern heirateten in der Tracht. Die Männertrachten im Emmental bestehen aus einem Halblein- Anzug sowie die Zürcher Männertracht ist mit Gilet und Kittel. In Obwalden wird ein „Mutz“ und in Nidwalden eine reich bestickte Bluse in schwarz und im Kanton Uri in blau getragen.

    So hat jede Region ihre eigene Tracht.

    Bei uns Jodlern haben sich leider einige Clubs zu Fantasietrachten entschieden, die mehr oder weniger etwas kitschig sind. Dies finde ich sehr schade. Doch auch da wird auch oft zu historischen Trachten gegriffen und sich bei den Trachtenvereinigungen Rat geholt.

    Für mich, wie auch sehr viele meiner Jodlerkameraden ist unsere Tracht ein Ehrenkleid, das wir gerne und mit Stolz tragen dürfen. Christian Ganz, Thalwil.

  2. Ernst A. Meyner schrieb,

    16 März 2010, 12:46

    Vielen Dank für die Reaktion auf meine Kolumne „Trachten sind ein kostbares Volkskulturgut“. Vorerst muss ich festhalten, dass ich meine Kolumnen immer fachlich einwandfrei absichere. Für den Vorliegenden Text benutzte ich folgende Literatur: „Schwyzerländli“, Mundarten und Trachen in Bild und Lied (1915), „Schweizer Feste und Bräuche“ von Franz auf der Maur, „Unspunnenfest“ von Martin Sebastian, Zeitschrift „DU“, Nr. 7/1993, „Volksmusik in der Schweiz“ von der Gesellschaft für die Volksmusik in der Schweiz, einschlägige Artikel aus Tageszeitungen und Monatszeitschriften sowie verschiedene Quellen aus dem Internet.

    Zum Begriff „Ohrschuefen“, das die Appenzeller am Ohr rechts tragen: Dieser Schmuck besteht aus 925 Karat Silber, vergoldet, ist jedoch auch aus reinem Gold erhältlich, 56 mm lang mit 19 mm Durchmesser. Es ist durchaus möglich, dass der Eindruck entstand, ich wüsste darüber nicht Bescheid. „Vergoldet“ wäre der richtige Ausdruck gewesen. Das bedaure ich sehr und entschuldige mich.

    Dass hingegen nur die „Schellenschütter“ gelbe Hosen tragen, weiss ich auch. Doch oft tragen sie halt keine gelben Hosen (s. Bilder in der Fachpresse).

    Die Antwort von Herrn Ganz finde ich übrigens gut. Er ist aufmerksam und kritisch, setzt sich mit der Folklore auseinander und ist sicher ein passionierter Jodler, der Trachten seit seiner Kindheit trägt. Dass Trachten Ehrenkleider sind, ist mir voll bewusst. Und deshalb habe ich Trachtenleuten gegenüber auch grossen Respekt und ich freue mich, wenn an Folkloreanlässen Trachtenleute erscheinen, obwohl ich leider nicht Mitglied der Trachtenvereinigung bin.

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