Einmalige Fasnacht in Einsiedeln
Von René und Elisabeth Bühler
Wer in der Fasnachtszeit nach Einsiedeln fährt, erlebt eine der aufregendsten und buntesten Fasnachten überhaupt. Dieses Jahr vor allem am 15. und 16. Februar.
Am Abend von Drei Königen (6. Januar) beginnt in Einsiedeln die fünfte Jahreszeit mit dem «Iitrichle» (Eintreicheln). Der Schmutzige Donnerstag ist der Fasnachtstag der Jugend, an dem der Kinderumzug stattfindet. Einen ersten Höhepunkt der Einsiedler Fasnacht bildet der Güdelsmäntig (Fasnachtsmontag). Dieser beginnt um 9 Uhr mit dem wilden Sühudi-Umzug. Dieser wird von Furcht erregenden Teufeln angeführt. Es sind imposante Gestalten mit langen gebogenen Hörnern. Sie tragen eine Mistgabel und eine lange um den Bauch gebundene Kette. Sie machen den Weg frei für die Sühudis, die möglichst zerlumpt auftreten. Das Gesicht wird mit einer selbst gemachten Pappmaché-Maske bedeckt und soll möglichst schauerlich aussehen. Das Sühudi ist eine lustige und schwatzhafte Figur. Es umschmeichelt und verhöhnt die Umzugszuschauer mit verstellter Stimme. Die Einsiedler nennen dies «breugen».
Der Nachmittag steht im Zeichen des grossen Fasnachtsumzuges mit Mottowagen. Dieser Umzug geht nahtlos in einen närrischen Abend über.
Ein nächster Brauch ist das Brotauswerfen vom Güdelziischtig (Fasnachtsdienstag). Es werden drei Bühnen auf den Plätzen des Dorfes aufgestellt. Von dort werfen die drei Fasnachtsfiguren Mummerien, Joheen und Hörelibajasse Brot in die drängelnden Menschenmassen. Von den Bäckereien in Einsiedeln werden für diesen Brauch rund 8000 «Mütschli» gebacken. Insgesamt werden rund zwei Tonnen Brot ausgeworfen.
Der Mummerie stellt einen Rosshändler dar, der auf Welschlandfahrten sein Vermögen verloren hat. Um die Schulter trägt er ein Pferdegeröll, in der Hand hält er einen Rossschweif. Beim Johee handelt es sich um einen verarmten Bauer, der die Schelle seiner Kuh um den Bauch gebunden hat. Mummerie und Johee tragen Holzmasken. Der Hörelibajass symbolisiert das Volk, das sich über das Scheitern der einst wohlhabenden Herren lustig macht. Vor dem Auswerfen bahnt sich die Maskengruppe einen Weg durch die Menschenmenge zur Bühne. Sobald alle ihre Position bezogen habe, beginnt das Auswerfen. Gross und Klein versuchen, ein oder mehrere «Mütschli» zu ergattern.
Die Fasnacht endet fulminant am Abend des Güdelziischtig mit der Verbrennung des Pagates. Dies ist auch die Stunde der Ustrichler, die in Einsiedeln nur an diesem Tag auftreten. Das rhythmische Anschlagen der Treicheln hört mit dem Beginn der Fastenzeit um Mitternacht auf und wird erst wieder am nächsten 6. Januar zu hören sein.
Programm
Güdelsmäntig, 15. Februar 2010
04.00 Uhr «Iitrichlä» der Einsiedler und Fasnacht für jedermann
09.00 Uhr Sühudi-Umzug
14.30 Uhr Grosser Fasnachtsumzug der Goldmäuder
Abends Unterhaltung in vielen Gaststätten von Einsiedeln
Güdelziischtig, 16. Februar 2010
13.30 Uhr Brotauswerfen
19.30 Uhr Verbrennen des Pagates auf dem Dorfplatz
19.30 Uhr «Ustrichlä» der Einsiedler
Fasnacht mit verschiedenen Treichlergruppen
Aschermittwoch, 17. Februar 2010
Aus der Traum…
…erst am 6. Januar 2011 kommt die bunteste Fasnacht wieder…
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