Unsere Glocken bedeuten Heimat

Veröffentlicht am 8 Oktober 2009, 15:47 in Folklore, Brauchtum, Verschiedenes.

Von Ernst A. Meyner     Folklore-Redaktor

Nicht für alle ist das Glockengeläut gleich bedeutend. Für die einen ist es ein Ärgernis, für die anderen bedeutet es Sicherheit und weckt Heimatgefühle.
In der Nähe einer Kirche gewöhnt man sich ans Glockengeläut. Jeden Morgen um sechs läutet eine hell klingende Glocke der Zwinglikirche Winterthur den jungen Tag ein. Und am Abend punkt 19 Uhr vernehme ich während fünf Minuten die Betzeit-Glocke.
Für mich als Knabe waren das tägliche Signale, Denkpausen, Zäsuren. Wenn das Geläut einmal ausblieb, fehlte etwas. «Ist das Läutwerk etwa defekt?», fragte man sich rasch einmal.
Am Samstagabend läuteten auch am Radio die «Glocken der Heimat» das Wochenende ein. Und am Sonntagmorgen erklangen alle Glocken zum Gottesdienst. Heute bedeutet mir Glockengeläut ein Stück Heimat. Das spürt man erst später in der Fremde. Glockengeläut ist Volksmusik im Ohr. Glockenklänge können je nach Tonlage Freude, Zufriedenheit oder Besinnlichkeit auslösen.
Auch am Computer können wir Glockenklänge geniessen. Der Radiosender DRS Musikwelle stellt das Glockengeläut verschiedener Schweizer Kirchen ins Internet. Anlass zur Glocken-Website gab die Popularität der Sendung «Glocken der Heimat», die am Samstagabend ertönte. Diese war bei den Hörerinnen und Hörern so beliebt, dass ihre Verschiebung auf den Sonntagmorgen nach heftigem Protest rückgängig gemacht wurde. Übers Jahr nehmen Radioleute schweizweit Glockengeläut digitalisiert auf. Diese Phonothek ist auch während der Sendezeiten zugänglich.
Glockengeläute vermittelt Stimmung – feierliche, nachdenkliche oder traurige. Bei jeder der beschriebenen Kirchen werden die Glocken mit dem Namen aufgeführt und ergänzt mit Tonlage, Gewicht, Baujahr und Name der Giesserei. Zudem wird jedes Geläute umschrieben: «Grosses sechsteiliges Geläut in einer effektvollen Schlagtonfolge mit Unterquarte» heisst es etwa bei der römisch-katholischen Kirche St. Martin in Olten. Ein «vielstimmiges, unverwechselbares Geläut von hohem Seltenheitswert» hat die Kirche St. Mauritius in Naters VS.

Teilweise stammen die Glocken noch aus dem Mittelalter, etwa jene der reformierten Kirche in Matt GL, die im 13. Jahrhundert gegossen wurden: «Ein reizvolles und seit Jahrhunderten unverändertes Kleingeläute, das hervorragend zur Kirche im Gebirgstal passt», heisst es dazu. Natürlich fehlen auch die Schwergewichte des Berner Münsters nicht. «Schwerstes Geläut der Schweiz mit überaus vielfältigem Glockenbestand aus sieben verschiedenen Jahrhunderten. Die beiden grossen Glocken sind in ihrer typisch bernischen Renaissance-Zier eng miteinander verwandt und von einer aussergewöhnlichen Klangfülle.»
Bemerkenswert ist auch die Armesünder-Glocke, die zwischen 1734 und 1861 insgesamt 65-mal als Zeichen zu Hinrichtungen klagte. Weitere wichtige Glocken sind die Heinrichs-Glocke der St.-Laurentius-Kirche in Herisau AR und das Ensemble in der Klosterkirche Rheinau ZH.
Kirchenglockengeläut klingt wie Musik. Doch wie nicht alle Menschen musikalisch sind, so mögen auch nicht alle den täglichen Glockenklang vom Kirchturm. Vielleicht kommen Empfindungen hoch, die an traurige Erlebnisse erinnern. Viele Leute mögen das nicht.

Heimatliche Klänge berühren unsere Seele wie Musik, die festliche, besinnliche oder fröhliche Stimmung verbreitet. So ist heimatliches Glockengeläut vergleichbar mit unserer schönen Volksmusik, die unser facettenreiches Land nach aussen repräsentiert.

Dieser Beitrag reflektiert die Meinung der Autorin / des Autors und nicht zwingend diejenige der Redaktion.

6 Kommentare zu 'Unsere Glocken bedeuten Heimat'

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  1. Katharina schrieb,

    8 Oktober 2009, 15:56

    In der Propstei in Alt St.Johann im Toggenburg ist zur Zeit eine Ausstellung zum Thema “Tierglocken aus aller Welt” zu sehen. Sie dauert bis zum 31. Dezember und ist am Samstag und Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Sie Die Ausstellung ist zudem ein Startanlass zur Klangschmiede der Klangwelt Toggenburg. Diese will die Musikkultur zwischen Säntis und Churfirsten, die vor allem auf Naturtönigkeit (z.B. Naturjodel, Sennschellen) basiert, vermitteln, fördern und immer wieder mit anderen Elementen verbinden. So entsteht auch Innovation. Für Interessierte: www.klangwelt.ch. Der künstlerische Leiter Peter Roth wäre sicher auch potenzieller Autor für Ihren Blog.

  2. Martin Sebastian schrieb,

    8 Oktober 2009, 16:13

    Vielen Dank für den Hinweis ins Toggenburg. Übrigens, Peter Roth ist beim Volkskulturblog herzlich willkommen. Natürlich auch alle anderen Interessierten, die bei Klangwelt.ch etwas Besonderes erlebt haben, oder über ein Thema diskutieren möchten.

  3. Samuel Lanz schrieb,

    17 Oktober 2009, 11:24

    Glockengeläut mag wohl Teil unserer Geschichte sein, doch ist es an der Zeit, diese Belästigung in die Schranken zu weisen und Ihr den Platz zu geben, der ihr zusteht: Als folkloristisches Museumsgut.

    In der heutigen pluralistischen Gesellschaft empfinden es viele Menschen als schweren Eingriff in Ihre Glaubensfreiheit, wenn eine religiöse Gruppierung mit ohrenbetäubendem Lärm zur Versammlung ruft.

    Kommt noch hinzu, dass der grösste Radau am Sonntagmorgen verursacht wird, wenn der arbeitende Bürger seinen freien Tag in Ruhe geniessen möchte.

    Mein Vorschlag wäre, dass nur noch die Stundenschläge erlaubt würden. Das missionarische Geläut jedoch gehört verboten.

  4. Pollyanna Zybach und Sleepy (miis Hündli) schrieb,

    14 November 2009, 20:26

    Ich schreiben nicht vielen wegen miis schlecht schreiben aber ich finden die kirche glöckli schone, spezial am Weihnacht mit eine beleuchtetett türm, und eine weihnachtmärkt mit gutzlis richtig herrlich. Heilige bim bom, wir sind fröhlich im die schweiz auch die die Kuh glocken haben. Dem leute das sagen die Kuh machen zuvielen lärm und darf nicht glöckli tragen kann nicht echte Schweizer/in seine, und auch die Kirche glöckli gehört zu unsere land, aber, ich muss auch sagen, ich und miis hund sind lang schläfer so, ich haben dem glöckli gärn, und wurde nie sagen dem muss weg, aber ich wurde auch nicht gerade schlafen neben eine :-)

  5. Richard Arnold schrieb,

    12 Februar 2010, 21:14

    Die Glocken und ihr Gläute sind ein Teil unserer europäischen Indentität, Kultur und Zivilisation. Sollten sie jemals schweigen oder verschwinden müssen, dann haben wir ein ein Teil von uns nicht einfach nur verleugnet, sondern verloren.

  6. Wavelskij schrieb,

    15 Februar 2010, 13:25

    Как сказал бы Ипполит Матвеич: Да уж…

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